Sa

27

Feb

2010

Kaffee und Krimis: Was macht ein Schriftsteller den ganzen Tag lang?

Feridun Zaimoglu berichtet 

 

So gegen 9.30 Uhr stehe ich auf und schalte erst mal den Boiler an. Bis ich duschen kann, dauert es 20 Minuten. So lange spaziere ich durch die Wohnung und trinke Kaffee (mit Zucker).

 

Um kurz nach 10 Uhr laufe ich 18 Schritte zur Bäckerei gegenüber. Ich bestelle: einen Kaffee (schwarz), einen Berliner oder ein Hamburger Franzbrötchen. Am Kiosk nebenan kaufe ich vier Tageszeitungen: taz, Welt, Berliner Zeitung und die Süddeutsche. Mit Brötchen, Kaffee und Zeitungen sitze ich eine Stunde lang auf einem Gartenstuhl vor der Bäckerei.

 

Gegen 11 Uhr gehe ich zurück in die Wohnung, koche mir Kaffee (mit Milch) und setze mich um 11.30 Uhr an meine Elektroschreibmaschine. Bis 13.30 Uhr schaffe ich zwei Seiten meines Liebesromans, dann unterbricht mich der Postbote. Ich eile zum Briefkasten und werfe dabei den Abfall in die Tonne. Mit meiner Post und meinen Zeitungen schlendere ich zum Italiener an der Ecke und esse allein zu Mittag.

14.30 Uhr: Der Verdauungsdämmer setzt ein, ich kann nicht schreiben. Also staubsauge ich oder bringe Hemden zur Reinigung. Von 15.30 Uhr bis 16.15 Uhr schreibe ich noch eine Seite Liebesroman. Dann: Telefonate.

 

Um 17 Uhr nehme ich den Bus in die Kieler Innenstadt, mache Einkäufe, treffe Freunde. Um diese Zeit mache ich alles sehr schnell, ich laufe schnell, denke schnell, rede schnell. Und schon um 19.15 Uhr sitze ich wieder zu Hause und schreibe noch eine halbe Seite, weil ich mein Tagessoll von 3,5 Seiten einhalten muss.

 

21 Uhr! Eine wunderbare Zeit. Ich liege auf dem Sofa und lese Mo Hayders - Die Sekte. Um 22 Uhr gehe ich ins Prinz Willy oder ins Ex Lex, da treffe ich immer jemanden, den ich kenne.

 

Gegen Mitternacht spaziere ich nach Hause und setze mich wieder an die Schreibmaschine und schreibe Zeitungskolumnen. Ich arbeite bis ungefähr 1 Uhr, lege mich ins Bett und lese bis 2.55 Uhr Krimis. Dann lösche ich das Licht.

 

Feridun Zaimoglu, 42, ist Schriftsteller und ständiges Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Er hat Kunst und Medizin studiert und lebt seit 22 Jahren in Kiel. Bekannt wurde Zaimoglu 1995 mit seinem Buch »Kanak-Sprak«.

 

Dieser Artikel wurde auf zeit.de eröffentlicht.

Autor: Justus Bender

ZEIT Campus

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Kommentare: 1

  • #1

    Bernd Schömig (Sonntag, 20 Juni 2010 22:27)

    Was für ein Leben...

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