Mo
18
Apr
2011
2. Teil: Woran scheitern Existenzgründer?
Die eigene Arbeitsbelastung senken
Viele Existenzgründer unterschätzen den Zeitaufwand, der für die vielfältigen Aufgaben benötigt wird. Gerade in der Anfangszeit, in der noch die notwendige Routine fehlt, müssen Sie mit deutlich höheren Zeitbelastungen für organisatorische Aufgaben rechnen.
Organisieren Sie Ihre Arbeit von Anfang an richtig. Machen Sie nicht alles selbst und reduzieren Sie Routineaufgaben auf ein Mindestmaß. Lassen Sie beispielsweise Ihre Buchführung extern von einem Steuerberater oder Buchführungshelfer erstellen und überlassen Sie auch das Putzen einer Reinigungskraft.
Sortieren Sie „faule“ Kunden rigoros aus
Es schadet Ihnen, wenn Sie Ihr Geld nicht bekommen. Wenn Sie einen Kunden auch durch Vorkasse, Mahnungen oder Einräumen von Ratenzahlungen nicht beizukommen ist, können Sie gut auf ihn verzichten.
Dieses Problem wird manchmal noch durch einen anderen Faktor verstärkt: die Ausrichtung auf einen oder wenige Kunden. Versuchen Sie, sich von Groß- oder Daueraufträgen fernzuhalten. Solche Verträge mindern zwar den täglichen Erfolgsdruck: Sie sollten aber nur dann eingegangen werden, wenn Ihre eigene Position stark genug ist, um angemessene Preise zu erzielen und Sie sich jederzeit in der Lage sehen, auch ohne diesen Auftrag finanziell überleben zu können. Besonders gefährlich sind Exklusivverträge, die Sie daran hindern, neue Märkte zu erschließen: Wird der Vertrag dann nicht verlängert, sind Sie wahrscheinlich finanziell am Ende.
Risikovorsorge durch den richtigen Finanzierungs-Mix
Finanzierungsprobleme sind zwar nicht die Hauptursache für Schwierigkeiten, aber Finanzierungsengpässe verschlimmern die Probleme und führen dadurch schneller zum Aus. Wenn Sie Ihre geplanten Umsätze nicht erreichen können, wird eine falsche Finanzierung Ihre Selbstständigkeit bedrohen.
Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken über die Finanzierung Ihrer Gründung:
- Wie viel Geld brauchen Sie für Investitionen und Betriebsmittel?
- Welche Eigenmittel stehen Ihnen zur Verfügung?
- Welche Sicherheiten können Sie bieten?
- Welche öffentlichen Fördermittel können Sie beantragen?
Zum Schluss müssen Sie natürlich prüfen, ob Ihr Unternehmen langfristig genügend Gewinn erwirtschaftet, um die Kreditzinsen und –tilgungen über die gesamte Laufzeit tragen zu können. Und das nicht nur in guten, sondern auch in einkommensschwachen Zeiten.
Ermitteln Sie Ihre Kosten und kalkulieren Sie Ihre Preise
Insbesondere die Probleme bei der Preisgestaltung sind häufig eine Folge aller übrigen Schwierigkeiten. Existenzgründer versuchen, der Konkurrenz durch niedrige Preise zu begegnen, und machen teilweise erhebliche Preiszugeständnisse. Die Unkenntnis der eigenen Kostensituation unterstützt dieses Vorgehen zusätzlich.
Fehlende Kalkulation bringt Jungunternehmer schnell ans Ende. Aufträge werden angenommen, die nur Verluste bescheren, weil Preise nach dem Gefühl ausgehandelt werden. Durch fehlende Nachkalkulationen werden diese „Verlustgeschäfte“ manchmal gar nicht bemerkt und so wird beim nächsten Mal wieder dieser „Verlustpreis“ vereinbart.
Informieren Sie sich über die Marktpreise und die wichtigsten Kalkulationsmethoden der Branche und wenden Sie diese an. Da Sie keine Vergangenheitswerte haben, müssen Sie sich so schnell wie möglich eigene Erfahrungswerte beschaffen. Kalkulieren Sie Ihre Preise genauestens nach. Wie viel Zeit benötigen Sie im Schnitt für eine Behandlung?
Das Familien-Management muss stimmen
In der Gründungsphase, aber auch später, sind Sie auf Unterstützung aus Ihrem persönlichen Umfeld angewiesen. Ihr Ehe- oder Lebenspartner muss eine positive Einstellung zu Ihrer beruflichen Selbstständigkeit haben. Ein unharmonisches Privatleben hat negative Auswirkungen auf den geschäftlichen Erfolg. Klären Sie vorher die folgenden vier Fragen:
- Steht Ihre Familie die Strapazen einer Gründung durch?
- Sind Sie bereit, 12 Stunden am Tag oder mehr zu arbeiten?
- Kann Ihre Familie für wenigstens zwei Jahre auf Urlaub und Freizeit verzichten?
- Kann Ihr Ehe- oder Lebenspartner durch sein Einkommen den gemeinsamen Lebensunterhalt in der Gründungsphase sichern?
Bereiten Sie Ihre Familie rechtzeitig auf die neue Situation vor. Beziehen Sie sie schon in der Vorbereitungsphase mit ein, indem Sie um Meinungen bitten und sie mit Informationen auf dem Laufenden halten. Entwickeln Sie ein Familienmanagement.
Versicherungen: Sicherheit für alle Fälle
Es kommt zwar nicht häufig vor, dass der Ernstfall eintritt, aber schon so mancher Unfall oder eine Fahrlässigkeit hat Selbstständige in den Bankrott getrieben. Der Grund: Risiken waren gar nicht oder nicht ausreichend versichert. Sie müssen aber nicht jede Kleinigkeit versichern. Überlegen Sie, welche besonderen Risiken bei Ihnen entstehen. Für geringere Risiken sollten Sie betriebliche Rücklagen bilden, damit Sie durch sie nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Vergessen Sie bei den Versicherungen nicht die Betriebshaftpflichtversicherung, die Schäden gegenüber Dritten abdeckt. Beachten Sie: Ihre „Büro- oder Ladeneinrichtung“ ist nicht in der Hausratversicherung mitversichert. Betriebliches Vermögen müssen Sie separat versichern!
Unternehmerisches und kaufmännisches Know-how
An der fachlichen Qualifikation mangelt es Existenzgründern selten, eher an den kaufmännischen und unternehmerischen Kenntnissen. Sie müssen keine Ausbildung als Kaufmann haben, fundierte kaufmännische Kenntnisse sind aber unerlässlich. Wichtig sind außerdem Ihre unternehmerischen Fähigkeiten: insbesondere Risikobereitschaft, Entscheidungsfreudigkeit und psychische Belastbarkeit.
Um die Arbeitslast, die kleinen und größeren Fehlschläge und den Stress verkraften zu können, benötigen Sie noch einen dritten Erfolgsfaktor: Motivation. Hiermit ist nicht der Anfangselan bei der Gründung gemeint, der dadurch entsteht, dass alles neu, spannend und aufregend ist. Sie brauchen etwas, worauf Sie langfristig zurückgreifen können.
Sie brauchen einen Traum, eine Vision. Malen Sie ein klares Bild davon, wie Ihre Tätigkeit tatsächlich aussehen soll. Stellen Sie sich vor, wie es sein wird, wenn Sie Erfolg haben und gute Gewinne machen. Sie müssen jede Einzelheit Ihres Wunschbildes förmlich vor Augen haben.
Beachten Sie:
Der schlimmste Fehler eines Existenzgründers ist, nicht an seine Idee zu glauben!
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Kommentare: 1
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#1
Ein sehr interessanter Artikel, den sich jeder Gründer zu Herzen nehmen sollte.

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