Burnout-Falle Klassenzimmer: Lehrer unter Stress



5 Tipps zur Stressvermeidung für Lehrer und Pädagogen

Deprimiert, überfordert, ausgebrannt: Jeder dritte Lehrer klagt über Burnout-Symptome. „Präventionsprogramme können helfen, aber jeder kann auch selbst etwas tun“, sagt Anti-Stress-Expertin Marion Mueller-West und gibt Tipps zur Vorbeugung.

desperate teacher - © tiero - Fotolia.com
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Eine attraktive Vergütung, sicherer Beamten-status, mittags Feierabend und dabei noch

jede Menge Ferien: Wer sich den Lehrerberuf

so vorstellt, irrt gewaltig. Pädagogen sind

vielfältigen Belastungen ausgesetzt – teils

so stark, dass vielen ein Burnout droht. So

machen Arbeitsüberlastung, schwierige

 

Schüler, nervende Eltern, mangelnde Anerkennung und ständiger Lärm Lehrern

schwer zu schaffen. Emotionale Erschöpfung, Depression und Leistungsabfall sowie immer mehr Unterrichtsausfall und Frühpensionierungen sind die Folgen. 


Bildungsexperten gehen davon aus, dass fast jeder dritte Pädagoge psychische Probleme hat. Deutliche Alarmzeichen sieht der vom Verband der bayerischen Wirtschaft ins Leben gerufene Aktionsrat Bildung, wenn Pädagogen gefühllos und desinteressiert im Umgang mit den Kindern agieren, Lehrer ihre Kompetenz in Frage stellen und es ihnen nicht gelingt, eine entspannte Lernatmosphäre herzustellen. Einige Länder haben deshalb spezielle "Burnout-Weiterbildungs-angebote" für Lehrer und Hochschuldozenten entwickelt, doch gibt es auf dem Gebiet der Weiterbildung und Unterstützung von Lehrern noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Deshalb sollte jeder Lehrer selbst aktiv etwas tun, um Burnout zu vermeiden.

 

Hier einige Tipps von Coach und Anti-Stress-Expertin Marion Mueller-West:

1. Trennen Sie Arbeit und Freizeit

Ein großer Teil der Arbeit von Lehrer/innen findet am heimischen Arbeitsplatz statt. Viele können deshalb keine Distanz vom Job bekommen und es fällt ihnen schwer, wirklich abzuschalten, wenn im Nebenzimmer ein Haufen unerledigter Arbeit wartet. Ziehen Sie eine deutliche räumliche und zeitliche Grenze zwischen Privat- und Arbeitsleben. Werden Sie sich bewusst, wann Sie arbeiten und wann sie privat agieren. Sind die E-Mails oder Recherchen im Internet beruflicher oder privater Natur? Wenn Sie Ihre Arbeit erledigt haben, schließen Sie die Tür zum Arbeitszimmer

und machen Sie richtig Feierabend.

2. Sparen Sie im Unterricht Energie

Bereiten Sie sich gut auf den Unterricht vor. Nichts verbraucht so viel Energie, wie wenn Sie improvisieren oder spontan auf schwierige Situationen reagieren müssen. Reden vor einer oft unaufmerksamen Klasse ist in physischer wie auch in psychischer Hinsicht anstrengend: Je mehr Sie reden oder sogar schreien, desto erschöpfter werden Sie sich am Ende eines Unterrichtstages fühlen. 

 

Versuchen Sie, Ihren Redeaufwand zu reduzieren. Sprechen Sie leise und wenn Sie mal schreien müssen, dann bitte dosiert. Verschaffen Sie sich Aufmerksamkeit bei Ihren Schülern und reden Sie ausschließlich dann, wenn wirklich alle zuhören. 

3. Binden Sie Schüler/innen in Ihre Arbeit ein

Viele kleine Dinge müssen nicht unbedingt von Ihnen selbst erledigt werden. Das betrifft nicht nur die Rückgabe von Klassenarbeiten oder die Verteilung von Unterrichtsmaterial. So müssen Arbeitsergebnisse nicht von Ihnen persönlich zusammengefasst werden. Wenn das ohne inhaltlichen Verlust geht, lassen Sie das eine/n Schüler/in tun. So können Sie auch feststellen, ob Schüler die von Ihnen vermittelten Inhalte wirklich verstanden haben.


Auch die aus einem Text extrahierten Adjektive müssen Sie nicht selbst an die Tafel schreiben. Setzen Sie sich entspannt nach hinten und lassen Sie das eine/n Schüler/in tun. Vielleicht wird man Sie für Ihren interaktiven Unterrichtsstil sogar loben. Schüler sind auch aufmerksamer, wenn Sie aktiv in den Unterricht eingebunden werden.

4. Vermeiden Sie Stress in der Kommunikation mit Schülern und Eltern


Eine entspannte Kommunikation mit gegenseitiger Achtung ist das A und O, um sich ohne Stress und Ärger zu verständigen. Deshalb gehören gutes Zuhören und Verstehen ebenso zu einem Gespräch, wie zu reden und die eigenen Ansichten zu vermitteln. 

 

Versuchen Sie, zu begreifen, was der Andere Ihnen sagen möchte. Wenn Sie nicht ganz sicher sind, fassen Sie kurz zusammen, was bei Ihnen angekommen ist und was Sie verstanden haben. Bleiben Sie in Gesprächen auch stets fair – gerade auch, wenn Sie sich in der stärkeren Position befinden. Wenn sich Ihr Gegenüber bevormundet oder in die Ecke gedrängt fühlt, ist eine

sinnvolle Kommunikation kaum noch möglich. Bedenken Sie, dass Schüler und Eltern ihren eigenen Standpunkt für ebenso wichtig halten, wie Sie den ihrigen. Überlegen Sie sich, bei welchen Punkten sie zu Kompromissen bereit sind. 

5. Nutzen Sie Möglichkeiten der Entspannung  

Unterrichtsfreie Zeit und größere Pausen eignen sich sehr gut, die eigenen Akkus wieder aufzu-laden und den Kopf wieder frei zu bekommen. Nutzen Sie diese Zeit zur Regeneration. Gehen

Sie an die frische Luft und machen Sie einen kleinen Spaziergang außerhalb des Schulgeländes. Sie können sich auch einen ruhigen Platz suchen, um beispielsweise ein paar Yoga-Übungen zu machen oder um ein wenig zu meditieren. Wichtig ist, dass Sie möglichst ungestört (alleine)

sind und absolute Ruhe herrscht.


Stressbewältigungsstrategien, Kommunikationstrainings mit schwierigen Schülern, die Stärkung des „Ich“, richtiges Verhalten bei einer Eskalation sowie Team-Intervention mit dem gesamten Lehrerkollegium sind Strategien, mit denen Pädagogen Selbstbewusstsein und Anerkennung gewinnen und einem Burnout vorbeugen können. 


Mehr Informationen auf der Webseite www.mueller-west.de

 

Autor: Sylke Zegenhagen

Redaktioneller Service


Marion Mueller-West ist Auszeit-Spezialistin und zeigt gestressten Menschen auf ungewöhnliche Weise den Weg raus aus der Stressfalle, weg vom Burnout. Mit ihrem eigens entwickelten Burnout-Kompass unterstützt sie ihre Klienten, belastende Gedanken loszuwerden.

 

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