Die schockierende Wahrheit über Online-Pressemitteilungen 



Warum Sie mit Presseverteilern und über Online-Presseportale niemals in die Medien kommen

Eine Pressemitteilung schreiben kann doch jeder! Das mag vielleicht stimmen, doch warum wird dann trotz aktiver Pressearbeit über so viele Unternehmen in den Medien niemals berichtet? Presse & PR Expertin Sylke Zegenhagen erklärt die Hintergründe.

Bild: © ra2 studio - Fotolia.com
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"Herzlichen Glückwunsch! Ihr Pressetext wurde bei uns veröffentlicht." Was für eine schöne Nachricht. Wie oft hat Sie diese freudige Botschaft schon erreicht? Schon oft? Selten? 

Gar nicht? 

 

Eine Pressemitteilung schreiben kann doch jeder! Das mag vielleicht stimmen, doch warum wird dann trotz aktiver Pressearbeit über so viele Unternehmen in den Medien niemals berichtet? Warum sind kostenlose Online-Presseportale voll mit Artikeln, die niemals in Fachmedien veröffentlicht werden?

 

Die einfache Antwort: Weil die Artikel nicht professionell genug sind und deshalb das dahinter stehende Unternehmen nicht überzeugen kann. Unabhängig von der Unternehmensgröße und vom Presse-Thema - für eine erfolgreiche Berichterstattung müssen Pressemitteilungen professionell sein und folgende Fragen beantworten: 

  • Warum ist die Nachricht wichtig?
  • Inwiefern ist der Inhalt für den Leser relevant?
  • Bietet der Pressetext den notwendigen redaktionellen Mehrwert oder ist er nur Selbstbeweihräucherung oder gar Werbung?
  • Sind die Inhalte allgemein verständlich?

Und noch weitere fachliche Aspekte sind ausschlaggebend dafür, ob sich ein Journalist oder Redakteur eine Pressemitteilung überhaupt ansieht. Dazu gehören...  

  • Zieht die Headline in den Bann?
  • Was steht im Untertitel?
  • Weckt der Teaser das Interesse, den Pressetext weiterzulesen?
  • Wurden stilistische Kriterien wie Absätze, Überschriften, Länge der Pressemitteilung etc. beachtet?
  • Sind die Kontaktdaten vorhanden?
  • Welche Bilder wurden beigefügt?
  • Wie stellt sich das Unternehmen in der Öffentlichkeit dar?
  • Ist die Webseite des Unternehmens repräsentativ und vor allem: Journalisten freundlich?

 

Aber selbst wer bis hier alles richtig gemacht hat, an diesem letzten Punkt scheitern die meisten:

 

Die richtige Medien-Ansprache

Das Märchen über Online-Pressemitteilungen und warum Sie damit niemals in die Medien kommen!

"Einfach eine Pressemitteilung schreiben, bei uns einstellen, ein Knopfdruck und schon landet Ihre Nachricht auf über 200 Presse-Portalen. Journalisten recherchieren hier. Sie finden Ihre Presse-mitteilung und veröffentlichen sie in ihren Portalen, in Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen. Einfacher und kostengünstiger kann Pressearbeit nicht sein!"

 

So lautet die Botschaft der Presseversand-Dienstleister und tausende Ahnungslose folgen den Versprechungen. Doch mit welchem Erfolg?


  • Haben Sie eine Aussendung über einen Presseverteiler probiert? 
  • Auf welchen Portalen ist Ihre Pressemitteilung gelandet und wie sieht sie da aus?
  • Wurden Sie von Medien angerufen, die über Ihr Thema berichten wollen?
  • Wurde Ihr Pressetext in hoch frequentierten Online- und Printmedien veröffentlicht? 
  • Hat Ihren Artikel überhaupt jemand gelesen? Steht er vielleicht auf einem der zahlreichen Web-Friedhöfe ohne Besucher und demzufolge auch ohne Leser?

Es ist ein Märchen, dass Journalisten und Redakteure in kostenlosen Online-Presseportalen recherchieren - und auch, dass sie Artikel einfach so übernehmen! 

5 Gründe, die dagegen sprechen:

1.

Keine Zeit für Recherchen

Sich überschlagende News-Meldungen, Unterbesetzung, Texte am Fließband, Kreativ-Druck, Redaktionsschluss - Journalisten und Redakteure stehen unter Stress. Sie recherchieren nicht in Presseportalen, in die Hinz und Kunz das kostenlos einstellen können, was sie "Pressemitteilung" nennen. Laienhafte Texte, Werbung, 

Selbstbeweihräucherung, Einordnung in falsche Rubriken, keine Kontaktdaten etc.. Was soll sich ein Redakteur alles anschauen, bis er endlich findet, was er sucht?


2.

Zweifelhafte Quelle

Journalisten folgen einem Grundsatz: Kennst Du die Quelle nicht oder ist diese nicht glaubhaft bzw. seriös genug, ist der ganze Inhalt irrelevant! Wen interessieren die Statements eines Anton Schlaumeier, der gerade seine persönliche Lebenskrise gemeistert hat und nun die Menschheit mit seiner Weisheit verbessern will?

 

Wenn ein Medium in einem Artikel den Namen des Interviewpartners bzw. Autors nennt, möchte es sicher sein, dass es sich um eine seriöse Quelle handelt - sprich, dass es sich um einen Experten handelt, der fachliche Kompetenz nachweisen kann und geschäftlich eine Marktpräsenz hat. Jede Veröffentlichung ist meinungsbildend. Die Reputation des Interviewpartners bzw. Autors beeinflusst die Qualität und somit auch die Glaubwürdigkeit des Mediums. Hier gehen Redaktionen kein Risiko ein.


3.

Das Urheberrecht

Das Urheberrecht verbietet die Verbreitung fremder Werke ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors / Urhebers. Die Einstellung eines Pressetextes in ein Presseportal ist keine rechtsverbindliche Freigabe zur Verwendung in anderen

Medien. Redaktionen dürfen Pressemitteilungen also gar nicht übernehmen.


4.

Doppelter Content

Redaktionen veröffentlichen keine Texte, die schon dutzendfach im Internet publiziert wurden. Der Grund ist Doppel-Content, der ihre Webseite bei Google abwerten würde. Auch ist es dem Image eines Mediums nicht gerade förderlich, wenn die Redaktion nicht in der Lage ist, eigene Inhalte zu produzieren.


5.

Der Pressekodex

Auch die Einhaltung des Pressekodex spielt eine wichtige Rolle. Die meisten Pressemitteilungen in kostenlosen Online-Presseportalen verstoßen gegen den Pressekodex. Das schlimme daran, viele der Absender wissen nicht einmal, was

das überhaupt ist. Journalistisch arbeitende Menschen sind von Berufs wegen dem Pressekodex verpflichtet. Sie würden niemals einen Artikel veröffentlichen, der dagegen verstößt. 



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Wie arbeiten Journalisten und Redakteure wirklich?

Redaktionen suchen frischen, spritzigen, top aktuellen Content, der die Leser ihres Mediums interessiert. Entscheidend ist also nicht, was das Unternehmen an Information vermitteln möchte, sondern ob es einen redaktionellen Wert für das Medium hat.

 

Für ihre Arbeit nutzen Journalisten und Redakteure seriöse Quellen, die ihnen zuverlässig qualitativ hochwertige Inhalte liefern. Dazu sind sie großen Presse-Netzwerken angeschlossen - genau denen, über die Markenartikler und bekannte Großunternehmen ihre News versenden. Viele Redaktionen arbeiten zusätzlich mit Content-Vermittlern, die ihnen immer neue Artikel - oft schon fix und fertig als Unique Content anbieten.  

 

Großunternehmen nutzen Pressedienste wie DPA, Pressetext oder News aktuell. Sie sind in allen Medien präsent und geben jährlich tausende Euro allein für die Verbreitung ihrer Mitteilungen aus. In kostenlosen Online-Presseportalen sind sie nicht zu finden und ganz sicher tätigen diese Unternehmen so hohe Ausgaben auch nicht zum Spaß.

Ein Fazit zum Schluss

Was auch immer über den Erfolg von Online-Pressemitteilungen geschrieben steht, ohne eine mediengerechte Aufbereitung des Presse-Themas und ohne gut gepflegte Redaktionskontakte

bzw. einen hochwertigen Medienverteiler gibt es keine Veröffentlichung. 

 

Eine Presse-/PR-Agentur kann hier wertvolle Dienste leisten. Sie weiß, wie man Redaktionen ansprechen muss, um ein Thema (Unternehmen) in diesem Medium zu platzieren. Darüber hinaus ist sie auch Fürsprecher des Unternehmens, denn Redaktionen greifen bevorzugt auf Artikel von Agenturen zurück, weil diese aufgrund des Pressekodex zu hochwertigen, mediengerechten Inhalten verpflichtet sind.

 

Autor: Sylke Zegenhagen

Redaktion


Sylke Zegenhagen ist Expertin für Presse, PR und Social Media. Sie betreibt eine Presse & PR Agentur in Würzburg und hat sich zudem als Fachautorin für Management-, Beratungs- und Coaching-Themen einen Namen gemacht. Sie schreibt Fachartikel und Pressemitteilungen und veröffentlicht diese in den größten Online- und Printmedien.



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Kommentare: 1
  • #1

    Garvin Richard Overrath (Samstag, 20 Juni 2015 15:17)

    Der Aussage es funktioniert nicht "mehr" über online Presseportale kann ich zustimmen. Über einen persönlich aufgebauten "Presseverteiler" an handverlesene Redakteure / Rezipienten, mit denen wir im persönlichen Kontakt stehen, funktioniert es hervorragend.

    Selbstverständlich streut man seit langem keine Basis mehr für Duplicate Content über Portale.

    ...