Endlich gegründet - und nun?



Wie geht es nun als Jungunternehmer weiter?

Sie haben sich selbstständig gemacht, doch es läuft einfach nicht so wie Sie es wollen. Woran liegt das? Unternehmensberater Helmut Klüsener mit Tipps und Hintergründen.

Bild: Pong / freedigitalphotos.net
Bild: Pong / freedigitalphotos.net

Sie sind Jungunternehmer, vielleicht seit maximal zwei Jahren selbstständig und sind in der gleichen Lage wie viele ihrer „Leidensgenossen“? Sie hatten große Pläne und scheinen nun auf der Stelle zu treten? Seit Monaten sind die Anforderungen kaum zu bewältigen? Woher kommt das?

 

Businessplan

 

Sie haben bei der Beantragung Ihres Gründungsdarlehens einen Businessplan vorgelegt. Darin haben Sie dargestellt, was Sie tun werden, welche Kundengruppen Sie ansprechen, welche Investitionen notwendig sind und vieles mehr. Sicher haben Sie eine lineare Steigerung von Umsatz und Gewinn in ihrer Planung berücksichtigt. Das wünschen auch Entscheider bei Banken. 

 

In der Realität zeigt sich aber, dass die Entwicklung eines junges Unternehmens innerhalb des ersten Jahres zwei Richtungen nehmen kann. Die eine ist das permanente Unterschreiten der Umsatzziele und das frühe Bedürfnis einer Nachfinanzierung, die andere ist ein nicht erwartetes Wachstum in viel zu kurzer Zeit.

Anpassungen des Businessplans

Im ersten Fall sollten Sie sich Ihren Businessplan noch einmal vornehmen und darüber nachdenken, ob die grundsätzlichen Annahmen noch stimmen. In der Folge müssen Sie kritisch hinterfragen, ob die ausgesuchte Kundengruppe die richtige ist, und ob Ihr Marketing funktioniert.

Sie müssen also Ihren eigenen Businessplan für sich überarbeiten und gegebenenfalls Ihr Unternehmen neu ausrichten. Die Augen vor den Realitäten zu verschließen ist die schlechteste Alternative.

 

Im zweiten Fall werden Sie mit drei wesentlichen Problemen zu kämpfen haben. Ihre Liquidität wird nicht ausreichen die Vielzahl der Aufträge vor zu finanzieren, Ihre Organisationsstruktur muss dringend überarbeitet werden, da Sie bei der Gründung die Vielzahl der Aufgaben noch nicht kennen konnten, und Sie haben das Gefühl bei Einstellungen häufig die falsche Wahl zu treffen.

Personal

Die Personalfrage sollte Sie nicht zu sehr belasten. Es ist eine durchgängige Erfahrung, dass bei der Einstellung von fünf neuen Leuten mindestens drei das erste Jahr nicht in Ihrem Unternehmen beenden werden. Neue Mitarbeiter sind in der Regel am Markt verfügbar. Die erste Garnitur arbeitet beim Wettbewerb oder sieht wenig Aufstiegschancen bei einem jungen, noch sehr kleinen Unternehmen. Somit müssen Sie sich mit weniger erfahrenen oder qualifizierten Kräften begnügen. Hier gilt leider das Prinzip von „try and error“.

 

Erstellen Sie einen Katalog, welche Tätigkeiten ein neuer Mitarbeiter in welcher Zeit allein ausführen können muss. Stellen Sie sich weiter die Frage, ob das von Ihnen Erwartete der neuen Kraft auch deutlich gemacht wurde. Hier empfiehlt es sich, eine kurze Beschreibung der geforderten Tätigkeiten beim jeweiligen Arbeitsplatz schriftlich zu erstellen und mit dem neuen Mitarbeiter zu besprechen. 

Auftragsablauf

Wenn Sie dies erledigt haben, sind Sie bereits einen großen Schritt in Richtung einer betriebsgerechten Organisationsentwicklung gegangen. Nun sollten Sie noch die Umwandlung eines Interessenten zum Kunden schriftlich niederlegen. Im Nachgang skizzieren Sie die gewünschte Struktur einer Auftragsabwicklung.

Liquiditätssicherung

Haben Sie diese beiden „Baustellen“ erledigt, müssen Sie das Thema Liquidität angehen. Die eine Möglichkeit ist der erneute Gang zu Ihrer Hausbank, die bereits Ihre Gründungsfinanzierung begleitet hatte, bei der Sie dann einen veränderten Businessplan vorlegen können. 


Eine andere Möglichkeit besteht darin, von Ihren Auftraggebern Anzahlungen zu verlangen. Sie werden die Erfahrung machen, dass dies sehr viel einfacher gelingen wird, als man zunächst glaubt. Ein möglicher Kunde, der keine Anzahlung leisten möchte, verursacht in der Regel auch bei der Abschlussrechnung Zahlungsverzögerungen. Konzentrieren Sie sich daher auf die Kunden, die einen schnellen Zahlungsfluss gewährleisten.

Factoring

Eine dritte Möglichkeit ist der Verkauf Ihrer Forderungen an einen Factor. Dieser zahlt Ihnen in der Regel innerhalb von 48 Stunden rund 80 % Ihrer Forderung aus. Der Factor übernimmt dann das Debitorenmanagement. Von den verbleibenden 20 % der Rechnungssumme erhalten Sie meist rund 18 %, je nach Anbieter. 

Diese Unternehmen entscheiden recht schnell und können auch Ihr weiteres Wachstum mit der benötigten Liquidität unterstützen. Die Gebühren sollten Sie in Ihrer Preisgestaltung berücksichtigen. Eine Preiserhöhung von rund 2 % wird Ihnen kaum einen Auftrag zerstören. Sie sollten allerdings Ihren Kunden informieren.

Factoring ist nicht umsonst eine erstaunlich wachsende Branche. Prüfen Sie Angebote und wählen Sie den für Sie passenden Anbieter aus.

Unternehmensberatung

Sollte die Fülle der zusätzlichen Aufgaben für Sie zeitlich oder fachlich schwer zu bewältigen sein, so sollten Sie sich an eine Unternehmensberatung wenden, deren Tätigkeit mit öffentlichen Zuschüssen gefördert werden kann.

 

Unternehmen in Schwierigkeiten erhalten bis zu 90 % Zuschuss auf das Beratungshonorar, Jungunternehmen in den ersten zwei Jahren 50 % und Bestandsunternehmen, die bereits länger als zwei Jahre am Markt tätig sind, ebenfalls 50 % auf das Beratungshonorar. Die zuständige Stelle ist hier das Bundesamt für Wirtschaftsförderung und Ausfuhrkontrolle.

 

Weitergehende Informationen finden Sie auf der Webseite: www.starke-unternehmen.com

 

Autor: Helmut Klüsener


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